QAV und Amine zählen zu den am häufigsten eingesetzten Wirkstoffen in der Flächendesinfektion. Sie sind kostengünstig, geruchsarm und materialschonend – haben aber ein begrenztes Wirkspektrum, neigen zu Filmbildung und stehen zunehmend in der Diskussion um Resistenzen und Umwelt.
Was sind QAV und Amine?
Quartäre Ammoniumverbindungen (QAV) sind kationische, oberflächenaktive Stoffe. Sie wirken, indem sie die Zellmembran von Mikroorganismen destabilisieren. Amine – häufig in Kombinationen mit QAV – ergänzen das Wirkspektrum und verbessern die Reinigungsleistung.
- QAV: kationisch, oberflächenaktiv, membranschädigend
- Amine: häufig als Wirkverstärker oder pH-Stabilisator
- Oft in Kombinationsprodukten verwendet
- Gute Reinigungswirkung – häufig als „2-in-1"-Produkt deklariert
Wirkspektrum: Wo QAV und Amine stark sind
- Bakterizid (grampositiv besser als gramnegativ)
- Levurozid (gegen Hefen)
- Begrenzt viruzid (gegen behüllte Viren wie Influenza, SARS-CoV-2)
- Materialverträglich auf vielen Oberflächen
Wo QAV und Amine an Grenzen stoßen
- Nicht sporizid – unwirksam gegen C. difficile-Sporen
- Kaum wirksam gegen unbehüllte Viren (z. B. Norovirus)
- Filmbildung auf Böden und Großflächen möglich
- Wirkungsverlust durch organische Belastung
- Inkompatibilität mit anionischen Reinigern
Rückstände und Filmbildung
QAV und Amine bleiben nach dem Trocknen teilweise als dünner Film auf der Oberfläche zurück. Dieser kann mit der Zeit Schmutz binden, klebrig wirken und – besonders auf Böden – zu Glanzverlust und Rutschigkeit führen.
- Regelmäßige Grundreinigung erforderlich
- Beladung der Wischmopps beachten
- Bei sichtbaren Belägen Wirkstoff wechseln, nicht „mehr davon"
Resistenz- und Umweltdiskussion
QAV stehen in der wissenschaftlichen Diskussion, weil sie zur Selektion resistenter Bakterien beitragen können und in Gewässern schlecht abgebaut werden. Kliniken und Einrichtungen prüfen daher zunehmend QAV- und aminfreie Alternativen, insbesondere für Großflächen und Böden.
Auf einen Blick
- QAV/Amine sind solide Allrounder – aber nicht für jeden Erreger.
- Gegen Sporen und unbehüllte Viren sind sie unzureichend.
- Filmbildung und Rückstände sind reale Praxisthemen.
- Alternative Wirkstoffe gewinnen v. a. bei Böden an Bedeutung.
Hinweis: Dieser Beitrag ersetzt keine individuelle hygienefachliche Beratung. Maßgeblich bleiben die jeweils gültigen KRINKO-Empfehlungen, gesetzlichen Vorgaben sowie die Hygienepläne Ihrer Einrichtung.
